Streitfall in 5 Minuten starten
Geschäfts-Fallbeispiel

Maschinenbauer & IT-DienstleisterERP-Projekt vor dem Scherbenhaufen

Ein ERP-Projekt, 14 Monate Verzug, €400.000 offene Forderungen — und zwei Unternehmen, die sich gegenseitig die Schuld geben. Statt Klage: Wirtschaftsmediation. Ergebnis in 10 Wochen: das Projekt wird fertig, die Geschäftsbeziehung überlebt.

Die Ausgangssituation

"Kündigen wir, verlieren wir beide Millionen"

IT-Großprojekte scheitern selten an der Technik allein. Sie scheitern an unklaren Anforderungen, verschobenen Verantwortlichkeiten — und daran, dass irgendwann Juristen statt Projektleiter kommunizieren.

Wir haben €1,8 Millionen budgetiert und ein System bekommen, das nicht lief. Natürlich haben wir die Nachträge nicht einfach gezahlt. Aber mir war klar: Wenn wir klagen, habe ich in drei Jahren weder ein Urteil noch ein ERP-System — dafür ein Millionengrab.

Projektleiter Maschinenbau, 48

Meine Entwickler haben Monate an Änderungen gearbeitet, die nie beauftragt, aber immer erwartet wurden. €400.000 offene Forderungen kann ein Mittelständler wie wir nicht aussitzen. Trotzdem war klagen die schlechteste Option: Der Kunde war ja nicht böswillig — das Projekt war schlecht aufgesetzt. Von uns beiden.

Geschäftsführer IT-Dienstleister, 52

So hat es sich zugetragen

Die Geschichte

Die Geschichte eines Projekts, das juristisch schon tot war — und wirtschaftlich zu wertvoll, um es sterben zu lassen.

Kapitel 1 · Das Vorzeigeprojekt

Zwei Handschläge und ein Werkvertrag

Als der Maschinenbauer (240 Mitarbeiter) sein altes ERP-System ablösen wollte, fiel die Wahl auf einen IT-Dienstleister, mit dem man seit Jahren gut zusammenarbeitete. Projektvolumen: €1,8 Millionen, Laufzeit: 18 Monate. Beide Geschäftsführer besiegelten den Start per Handschlag auf der Hausmesse.

Vierzehn Monate nach dem geplanten Go-live war nichts live. Der Dienstleister hatte €400.000 an Nachträgen in Rechnung gestellt, die der Maschinenbauer nicht zahlte — „für Leistungen, die im Vertrag stehen“. Der Dienstleister sah das Gegenteil: über 60 Änderungswünsche, die das halbe Projekt umgekrempelt hatten. Beide hatten inzwischen Anwälte. Die Projektmeetings waren durch Schriftsätze ersetzt worden.

Wir haben irgendwann mehr Geld für die Dokumentation des Streits ausgegeben als für das Projekt selbst.

Der Projektleiter des Maschinenbauers

Kapitel 2 · Die Rechnung, die niemand sehen wollte

Was ein Prozess wirklich kosten würde

Der Justiziar des Maschinenbauers legte der Geschäftsführung eine nüchterne Analyse vor: Ein IT-Prozess über Werkvertragsleistungen dauert durch die Instanzen drei bis fünf Jahre, IT-Sachverständige und Anwälte würden €150.000 bis €250.000 kosten, und der Ausgang war offen, weil beide Seiten dokumentierte Versäumnisse hatten. Vor allem aber: Das alte ERP-System lief aus dem Support. Ein neuer Anbieter würde bei null anfangen — Mehrkosten weit über einer Million.

Beim Dienstleister sah die Rechnung ähnlich düster aus: €400.000 Außenstände, gebundene Entwickler, ein drohender Reputationsschaden in der Branche. Als der Mediationsvorschlag kam — angeregt durch den Beirat des Maschinenbauers — stimmten beide binnen einer Woche zu. Nicht aus Versöhnlichkeit. Aus Rechenschärfe.

Kapitel 3 · Rückwärts durch das Projekt

60 Änderungswünsche, ein Muster

Die Mediatorin — erfahren in IT-Projekten — ließ beide Seiten zunächst die Projektgeschichte rekonstruieren: gemeinsam, chronologisch, anhand der Protokolle. Dabei wurde ein Muster sichtbar, das keiner bestritt: Das Lastenheft war zu vage gewesen, Änderungswünsche waren mündlich zugesagt und nie sauber bepreist worden — von beiden Seiten aus Bequemlichkeit, solange die Stimmung gut war.

Damit war die Schuldfrage vom Tisch, denn sie hatte keine Antwort. Übrig blieb die Zukunftsfrage: Was kostet die Fertigstellung, wer trägt was? Das Ergebnis: Der Maschinenbauer zahlt €250.000 der offenen Nachträge, der Dienstleister erlässt den Rest und stellt das Projekt mit einem Festpreis-Restpaket fertig — mit klarem Change-Request-Prozess, wöchentlichem Lenkungskreis und einem Eskalationsverfahren mit Mediationsklausel für alle künftigen Verträge.

Vor Gericht hätten wir bewiesen, dass die anderen schuld sind. In der Mediation haben wir bewiesen, dass wir das Projekt fertig kriegen. Nur eines davon bringt Geld.

Der Geschäftsführer des IT-Dienstleisters

Kapitel 4 · Go-live

Sieben Monate später

Das System ging mit sieben Monaten Zusatzaufwand live — begleitet vom selben Team, das den Streit durchgestanden hatte. Die beiden Geschäftsführer trafen sich zur Abnahme wieder auf der Hausmesse. Diesmal gab es keinen Handschlag ohne Vertrag: Das neue Wartungsabkommen enthält die Mediationsklausel, die inzwischen in allen Verträgen beider Häuser steht.

Die Zahlen

  • Projektvolumen: €1,8 Mio., 18 Monate geplant
  • Verzug: 14 Monate
  • Strittige Nachträge: €400.000
  • Über 60 undokumentierte Änderungswünsche
  • Altes ERP-System kurz vor Support-Ende

Ohne Mediation (IT-Prozess)

  • 3–5 Jahre durch die Instanzen
  • Anwälte & IT-Sachverständige: €150.000–250.000
  • Projektabbruch: Neustart kostet €1 Mio.+
  • Ausgang offen — beide Seiten haben Versäumnisse
  • Geschäftsbeziehung und Reputation zerstört
Der Ablauf

Der Mediations-Prozess (10 Wochen)

  1. Woche 1–2

    Verfahrensvereinbarung

    Vertraulichkeit, Verjährungsverzicht und Teilnehmerkreis werden geregelt — beide Seiten verhandeln ohne prozessuales Risiko.

  2. Woche 3–5

    Gemeinsame Projektrekonstruktion

    Chronologie statt Schuldzuweisung: Anhand der Protokolle wird das Muster sichtbar — vages Lastenheft, undokumentierte Änderungen auf beiden Seiten.

  3. Woche 6–8

    Wirtschaftliche Lösung verhandeln

    Vergleich über die Nachträge (€250k/€150k), Festpreis-Restpaket für die Fertigstellung, klarer Change-Request-Prozess.

  4. Woche 9–10

    Vergleich & Neustart

    Anwaltlich ausgestalteter Vergleich, neuer Lenkungskreis, Mediationsklausel für alle künftigen Verträge.

Das Ergebnis

Das Ergebnis

Mit Mediation

  • €3.000 Kosten (statt €150k–250k Prozess)
  • Lösung in 10 Wochen statt 3–5 Jahren
  • Projekt wird fertiggestellt — Go-live erreicht
  • Fairer Vergleich über die Nachträge
  • Geschäftsbeziehung bleibt bestehen
  • Mediationsklausel schützt künftige Projekte

Ohne Mediation

  • €150k+ Verfahrenskosten
  • 3–5 Jahre Rechtsstreit
  • Projektabbruch und Millionen-Neustart
  • Support-Ende des Altsystems als Damoklesschwert
  • Zwei beschädigte Reputationen
  • Urteil, mit dem keiner arbeiten kann

Was sie sagen

Der Vergleich hat wehgetan — auf beiden Seiten. Aber er hat zwei Unternehmen gerettet, die noch zehn Jahre Geschäft miteinander machen werden.

Beide Geschäftsführer, gemeinsames Statement

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Lohnt sich Mediation bei B2B-Streitigkeiten?

Fast immer, wenn Projekt oder Geschäftsbeziehung noch Wert haben: IT-Prozesse dauern 3–5 Jahre und kosten sechsstellig. Wirtschaftsmediation löst denselben Streit typischerweise in Wochen.

Verjähren Ansprüche während der Mediation?

Nein, wenn es richtig aufgesetzt wird: Zu Beginn vereinbaren beide Seiten einen Verjährungsverzicht. Damit verhandelt niemand unter prozessualem Zeitdruck.

Ist ein Mediationsvergleich zwischen Unternehmen bindend?

Ja. Der Vergleich wird anwaltlich ausgestaltet und ist ein vollwertiger Vertrag – auf Wunsch als vollstreckbarer Anwaltsvergleich oder notariell beurkundet.

Was ist eine Mediationsklausel?

Eine Vertragsklausel, die bei künftigen Streitigkeiten zuerst eine Mediation vorsieht, bevor geklagt werden darf. Sie verhindert, dass Projektkonflikte direkt zu Juristen eskalieren.

Projekt festgefahren? Verhandeln statt prozessieren.

B2B-Streitigkeiten vor Gericht kennen nur Verlierer mit unterschiedlich hohen Rechnungen. Wirtschaftsmediation rettet Projekt und Geschäftsbeziehung.