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Ratgeber · Mediation

Konfliktarten: die 6 Arten von Konflikten im Überblick

Konflikte wirken oft chaotisch – dahinter stecken aber wiederkehrende Muster. Die Konfliktforschung unterscheidet sechs zentrale Konfliktarten: Sachkonflikt, Interessenkonflikt, Beziehungskonflikt, Wertekonflikt, Rollenkonflikt und Machtkonflikt. Wer sie erkennt, versteht, warum ein Streit festgefahren ist und welcher Lösungsweg passt.

Veröffentlicht am 16. Oktober 2026 · Aktualisiert am 16. Oktober 2026 · ca. 7 Min. Lesezeit

Welche Arten von Konflikten gibt es?

Die 6 Konfliktarten im Überblick: Kernfrage, typisches Beispiel und Lösungsansatz
KonfliktartKernfrageTypisches BeispielLösungsansatz
SachkonfliktWorum geht es wirklich?Streit über den Verkehrswert des ElternhausesFakten gemeinsam klären, neutrale Informationsbasis schaffen.
InteressenkonfliktWer bekommt was?Zwei Abteilungen beanspruchen dasselbe BudgetInteressen hinter den Positionen herausarbeiten, Optionen entwickeln.
BeziehungskonfliktWie gehen wir miteinander um?Ex-Partner können nicht mehr sachlich über die Kinderbetreuung sprechenKommunikation strukturieren, Wahrnehmungen aussprechen, Vertrauen schrittweise aufbauen.
WertekonfliktWas ist richtig?Generationenwechsel im Familienbetrieb: Tradition gegen ModernisierungNicht überzeugen wollen, sondern Koexistenz und konkrete Verhaltensregeln vereinbaren.
RollenkonfliktWer ist wofür zuständig?Teamleiterin ist zugleich Kollegin und VorgesetzteRollen und Erwartungen explizit machen, Verantwortlichkeiten neu vereinbaren.
MachtkonfliktWer entscheidet?Zwei Gesellschafter blockieren gegenseitig jede EntscheidungFaire Verfahrensregeln vereinbaren, Entscheidungswege transparent machen.

1. Sachkonflikt

Zwei Seiten bewerten dieselbe Sachlage unterschiedlich – oft, weil Informationen fehlen, unklar oder widersprüchlich sind. Beispiel: Uneinigkeit über den Wert einer Immobilie im Nachlass. Der Lösungsweg ist eine gemeinsame, neutrale Informationsbasis.

2. Interessenkonflikt

Beide Seiten wollen dasselbe knappe Gut: Geld, Zeit, Raum oder Zuständigkeit. Der Klassiker unter den Konfliktarten – von der Erbverteilung bis zum Budgetstreit zwischen Abteilungen. Lösbar wird er, wenn die Interessen hinter den Positionen sichtbar werden und daraus Optionen entstehen.

3. Beziehungskonflikt

Verletzungen, Misstrauen oder Kränkungen überlagern die Sachebene. Häufig bei Trennung, in Familien – und zwischen langjährigen Kollegen oder Gesellschaftern. Hier hilft strukturierte Kommunikation: Wahrnehmungen aussprechen und Vertrauen schrittweise aufbauen.

4. Wertekonflikt

Unterschiedliche Überzeugungen, Kulturen oder Prinzipien prallen aufeinander. Werte lassen sich nicht wegverhandeln – wohl aber ein respektvoller Umgang damit. Ziel ist nicht, den anderen zu überzeugen, sondern konkrete Verhaltensregeln für das Nebeneinander.

5. Rollenkonflikt

Unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Erwartungen oder doppelte Rollen erzeugen Dauerreibung – typisch im Unternehmen und in Familien, die zusammen wirtschaften. Gelöst wird er, indem Rollen und Erwartungen ausdrücklich gemacht und Verantwortlichkeiten neu vereinbart werden.

6. Machtkonflikt

Es geht um Einfluss, Kontrolle und Augenhöhe. Oft versteckt er sich hinter Sachthemen – erkennbar daran, dass jede Lösung der Gegenseite abgelehnt wird. Faire Verfahrensregeln und transparente Entscheidungswege nehmen ihm die Grundlage.

In der Praxis treten die Konfliktarten fast nie allein auf. Hinter einem Sachthema steckt oft ein Beziehungs- oder Machtkonflikt. Entscheidend ist, welche Art das Gespräch gerade blockiert.

Konfliktarten und Eskalationsstufen nach Glasl

Die Konfliktart sagt, worum es geht. Die Eskalationsstufe sagt, was jetzt noch möglich ist. Das bekannteste Modell dafür stammt von Friedrich Glasl und unterscheidet neun Stufen in drei Zonen – genau diese Einordnung nimmt auch die medipact-Diagnose vor, bevor über Lösungen gesprochen wird. Wer gerade mitten in einer Eskalation steckt, findet erste Schritte unter Akuter Konflikt – was tun?.

Die drei Eskalationszonen nach Glasl und der jeweils passende Weg
ZoneStufenWas passiertPassender Weg
Win-WinStufe 1–3Verhärtung, Debatte, Taten statt Worte. Die Beteiligten sind noch lösungsorientiert; eine Lösung, mit der beide gut leben können, ist realistisch.Klärendes Gespräch, Moderation – oder eine Mediation, die schnell zum Ergebnis führt.
Win-LoseStufe 4–6Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohstrategien. Es geht ums Gewinnen, nicht mehr um die Sache. Ohne Dritte dreht sich die Spirale weiter.Externe, allparteiliche Mediation – häufig zunächst getrennt (Shuttle-Verfahren).
Lose-LoseStufe 7–9Begrenzte Vernichtung, Zersplitterung, gemeinsam in den Abgrund. Der eigene Schaden wird in Kauf genommen, wenn er die Gegenseite härter trifft.Hier stößt Mediation an ihre Grenzen: Es braucht Machtentscheidungen, rechtliche Schritte oder Schutz.

Egal welche Konfliktart: Mediation setzt am Muster an

Jede Konfliktart braucht einen anderen Hebel – Mediation kombiniert sie in einem geordneten Verfahren mit neutraler Begleitung. Welches Verfahren zu Ihrem Konflikt passt, ob Trennung, Erbe, Nachbarschaft oder Unternehmen, zeigt die Übersicht der Verfahren.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Welche Arten von Konflikten gibt es?

Die Konfliktforschung unterscheidet sechs wichtige Konfliktarten: Sachkonflikte, Interessenkonflikte, Beziehungskonflikte, Wertekonflikte, Rollenkonflikte und Machtkonflikte. In der Praxis treten sie meist gemischt auf – hinter einem Sachthema steckt oft ein Beziehungs- oder Machtkonflikt.

Welche Konfliktarten gibt es im Unternehmen?

Im Unternehmen dominieren Rollenkonflikte (unklare Zuständigkeiten), Interessenkonflikte (Budget, Ressourcen), Beziehungskonflikte im Team und Machtkonflikte zwischen Führungskräften oder Gesellschaftern. Ungelöst kosten sie Produktivität, Fluktuation und Krankheitstage – eine Wirtschaftsmediation setzt genau hier an.

Wie löst man die verschiedenen Konfliktarten?

Jede Konfliktart braucht einen anderen Hebel: Sachkonflikte eine gemeinsame Faktenbasis, Interessenkonflikte eine Verhandlung über die dahinterliegenden Bedürfnisse, Beziehungskonflikte strukturierte Kommunikation. Mediation kombiniert diese Ansätze in einem geordneten Verfahren mit neutraler Begleitung.

Wie erkenne ich, welche Konfliktart vorliegt?

Achten Sie darauf, woran das Gespräch scheitert. Streiten Sie über Zahlen und Fakten, ist es ein Sachkonflikt. Geht es darum, wer wie viel bekommt, ein Interessenkonflikt. Wird es persönlich, steckt ein Beziehungskonflikt dahinter. Werden alle Vorschläge der Gegenseite abgelehnt – auch gute – ist es meist ein Machtkonflikt.

Welche Konfliktarten gibt es in Familie und Partnerschaft?

Privat dominieren Beziehungskonflikte (Verletzungen, Misstrauen), Wertekonflikte (unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, Geld oder Lebensführung) und Interessenkonflikte bei Trennung und Erbe – etwa um Unterhalt, Betreuungszeiten oder die Aufteilung des Nachlasses. Rollenkonflikte kommen dazu, wenn Familie und Geschäft zusammenfallen.

Was sind die neun Eskalationsstufen nach Glasl?

Friedrich Glasl beschreibt neun Stufen in drei Zonen: Win-Win (Stufe 1–3: Verhärtung, Debatte, Taten statt Worte), Win-Lose (Stufe 4–6: Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohstrategien) und Lose-Lose (Stufe 7–9: begrenzte Vernichtung, Zersplitterung, gemeinsam in den Abgrund). Bis Stufe 3 genügt oft Moderation, ab Stufe 4 braucht es externe Mediation, ab Stufe 7 rechtliche Schritte oder Schutz.

Worum es hier geht

Kein Termin im Raum. Und kein Zoom-Call.

medipact ist ein geführtes Verfahren. Beide Seiten gehen getrennt voneinander durch dieselben Schritte – Fragen, Auswahlmöglichkeiten, Prioritäten. Sie müssen sich nicht gegenübersitzen, nichts vorbereiten und nichts formulieren: Wer mitten im Streit steckt, schreibt keine guten Texte.

Ein zertifizierter Mediator kommt dort dazu, wo es einen Menschen braucht – in einzelnen Videositzungen, an den strittigen Punkten. Nicht in sechs Terminen, in denen erst einmal sortiert wird.

Die Struktur ersetzt nicht den Mediator. Sie ersetzt die Stunden, in denen er zugehört hat, statt zu vermitteln.

Noch nicht so weit? Erst mal festhalten, was passiert ist – kostenlos im Konflikt-Logbuch →