Welche Arten von Konflikten gibt es?
| Konfliktart | Kernfrage | Typisches Beispiel | Lösungsansatz |
|---|---|---|---|
| Sachkonflikt | Worum geht es wirklich? | Streit über den Verkehrswert des Elternhauses | Fakten gemeinsam klären, neutrale Informationsbasis schaffen. |
| Interessenkonflikt | Wer bekommt was? | Zwei Abteilungen beanspruchen dasselbe Budget | Interessen hinter den Positionen herausarbeiten, Optionen entwickeln. |
| Beziehungskonflikt | Wie gehen wir miteinander um? | Ex-Partner können nicht mehr sachlich über die Kinderbetreuung sprechen | Kommunikation strukturieren, Wahrnehmungen aussprechen, Vertrauen schrittweise aufbauen. |
| Wertekonflikt | Was ist richtig? | Generationenwechsel im Familienbetrieb: Tradition gegen Modernisierung | Nicht überzeugen wollen, sondern Koexistenz und konkrete Verhaltensregeln vereinbaren. |
| Rollenkonflikt | Wer ist wofür zuständig? | Teamleiterin ist zugleich Kollegin und Vorgesetzte | Rollen und Erwartungen explizit machen, Verantwortlichkeiten neu vereinbaren. |
| Machtkonflikt | Wer entscheidet? | Zwei Gesellschafter blockieren gegenseitig jede Entscheidung | Faire Verfahrensregeln vereinbaren, Entscheidungswege transparent machen. |
1. Sachkonflikt
Zwei Seiten bewerten dieselbe Sachlage unterschiedlich – oft, weil Informationen fehlen, unklar oder widersprüchlich sind. Beispiel: Uneinigkeit über den Wert einer Immobilie im Nachlass. Der Lösungsweg ist eine gemeinsame, neutrale Informationsbasis.
2. Interessenkonflikt
Beide Seiten wollen dasselbe knappe Gut: Geld, Zeit, Raum oder Zuständigkeit. Der Klassiker unter den Konfliktarten – von der Erbverteilung bis zum Budgetstreit zwischen Abteilungen. Lösbar wird er, wenn die Interessen hinter den Positionen sichtbar werden und daraus Optionen entstehen.
3. Beziehungskonflikt
Verletzungen, Misstrauen oder Kränkungen überlagern die Sachebene. Häufig bei Trennung, in Familien – und zwischen langjährigen Kollegen oder Gesellschaftern. Hier hilft strukturierte Kommunikation: Wahrnehmungen aussprechen und Vertrauen schrittweise aufbauen.
4. Wertekonflikt
Unterschiedliche Überzeugungen, Kulturen oder Prinzipien prallen aufeinander. Werte lassen sich nicht wegverhandeln – wohl aber ein respektvoller Umgang damit. Ziel ist nicht, den anderen zu überzeugen, sondern konkrete Verhaltensregeln für das Nebeneinander.
5. Rollenkonflikt
Unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Erwartungen oder doppelte Rollen erzeugen Dauerreibung – typisch im Unternehmen und in Familien, die zusammen wirtschaften. Gelöst wird er, indem Rollen und Erwartungen ausdrücklich gemacht und Verantwortlichkeiten neu vereinbart werden.
6. Machtkonflikt
Es geht um Einfluss, Kontrolle und Augenhöhe. Oft versteckt er sich hinter Sachthemen – erkennbar daran, dass jede Lösung der Gegenseite abgelehnt wird. Faire Verfahrensregeln und transparente Entscheidungswege nehmen ihm die Grundlage.
Konfliktarten und Eskalationsstufen nach Glasl
Die Konfliktart sagt, worum es geht. Die Eskalationsstufe sagt, was jetzt noch möglich ist. Das bekannteste Modell dafür stammt von Friedrich Glasl und unterscheidet neun Stufen in drei Zonen – genau diese Einordnung nimmt auch die medipact-Diagnose vor, bevor über Lösungen gesprochen wird. Wer gerade mitten in einer Eskalation steckt, findet erste Schritte unter Akuter Konflikt – was tun?.
| Zone | Stufen | Was passiert | Passender Weg |
|---|---|---|---|
| Win-Win | Stufe 1–3 | Verhärtung, Debatte, Taten statt Worte. Die Beteiligten sind noch lösungsorientiert; eine Lösung, mit der beide gut leben können, ist realistisch. | Klärendes Gespräch, Moderation – oder eine Mediation, die schnell zum Ergebnis führt. |
| Win-Lose | Stufe 4–6 | Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohstrategien. Es geht ums Gewinnen, nicht mehr um die Sache. Ohne Dritte dreht sich die Spirale weiter. | Externe, allparteiliche Mediation – häufig zunächst getrennt (Shuttle-Verfahren). |
| Lose-Lose | Stufe 7–9 | Begrenzte Vernichtung, Zersplitterung, gemeinsam in den Abgrund. Der eigene Schaden wird in Kauf genommen, wenn er die Gegenseite härter trifft. | Hier stößt Mediation an ihre Grenzen: Es braucht Machtentscheidungen, rechtliche Schritte oder Schutz. |
Egal welche Konfliktart: Mediation setzt am Muster an
Jede Konfliktart braucht einen anderen Hebel – Mediation kombiniert sie in einem geordneten Verfahren mit neutraler Begleitung. Welches Verfahren zu Ihrem Konflikt passt, ob Trennung, Erbe, Nachbarschaft oder Unternehmen, zeigt die Übersicht der Verfahren.