Kapitel 1 · Nach der Beerdigung
Das Haus, in dem noch Papas Jacke hängt
Zwei Wochen nach der Beerdigung des Vaters trafen sich Anna und Klaus im Elternhaus, um „die Dinge zu regeln“. Anna ging durch die Zimmer, in denen noch alles so war wie immer — die Jacke des Vaters an der Garderobe, Mamas Handschrift auf den Gewürzgläsern. Klaus kam mit einem Aktenordner und einer Excel-Tabelle.
Es war genau diese Szene, an der alles zerbrach. Anna sah einen Bruder, der das Elternhaus „abwickeln“ wollte. Klaus sah eine Schwester, die so tat, als gehöre ihr allein, was beiden gehörte. Der Streit, der an diesem Nachmittag begann, hatte in Wahrheit dreißig Jahre Vorgeschichte: Anna, die immer da war. Klaus, der früh weggezogen und in ihren Augen „immer nur zu Besuch“ gekommen war.
“Für Klaus war das Haus eine Zahl: 300.000. Für mich war es der letzte Ort, an dem meine Eltern noch existierten.”
— Anna