Kapitel 1 · Die Testamentseröffnung
Zehn Minuten, die eine Schwesternbeziehung sprengten
Marie saß im Nachlassgericht und wartete darauf, dass sich der Verlust der Mutter wenigstens geordnet anfühlen würde. Dann las der Rechtspfleger vor: Sophie erbt das Haus und das Vermögen — zusammen rund €500.000. Marie: €50.000. Kein erklärender Brief. Kein persönliches Wort. Nur Paragrafen.
Marie beschreibt den Moment als doppelten Tod: „Meine Mutter war gestorben. Und dann starb auch noch das Bild, das ich von unserer Beziehung hatte.“ Auf dem Parkplatz vor dem Gericht sprach sie den Satz aus, den sie heute bereut: „Das Testament ist gefälscht, oder du hast sie beeinflusst. Ich sehe dich vor Gericht.“
“Ich habe nicht um Geld getrauert. Ich habe um die Antwort auf eine Frage getrauert, die ich Mama nicht mehr stellen konnte: Warum?”
— Marie